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Kurbelfische in der Tiefgarage

Der Annäherungsprozess

Aus dem gemeinsamen Interesse an der Entstehung von Neuem, der gemeinsamen Freude an der Wahrnehmung der Auseinandersetzung von professionellen und zufälligen Rezipienten mit den selbst geschaffenen Objekten und Installationen und einer kompatibel scheinenden Form von Humor, hat sich eine Energieladung zwischen den sonst recht verschiedenen Bochumer KünstlerInnen Monika Ortmann und Wolfram Lakaszus aufgebaut, die beide seit Mitte 2004 in gemeinsame Projekte zu lenken versuchen.

Einer der Kristallisationspunkte ist dabei die Gegenüberstellung surrealer und realer Erscheinungsformen.

Ausgehend von der zunächst sehr offensichtlichen Diskrepanz zwischen den Positionen der beiden KünstlerInnen bzw. deren jeweils spezifischer Wahrnehmung, entstehen nun in inten-siver Zusammenarbeit gemeinsame Objekte und Installationen, die die Arbeitsweisen beider repräsentieren und darüber hinaus neue – synergetische – Aspekte aufweisen.

Um den Integrationsprozess mess- und steuerbar zu halten, gehen Ortmann und Lakaszus inkrementell vor – die gemeinsamen Projekte werden frühzeitig auf die Welt losgelassen, quasi praxiserprobt – und in Folgephasen schrittweise einem jeweiligen Brennpunkt angenähert.

 

 

Die drei Elemente des Projektes „Kurbelfische“

Element A:  Inspirator

Das Herzstück des Projektes „Kurbelfische“ stellt der Inspirator dar:
Eine Raum-Installation, bestehend aus einem Schwarm tönerner Fische (ca. 100 Stück) über einer spiegelnden Wasseroberfläche.

Die an kaum sichtbaren Fäden gehängten Fische können mittels einer bizarr scheinenden spiralförmigen kardanischen Welle und eines einfachen Getriebes mit einer altertümlichen gusseisernen Handkurbel in Bewegung gesetzt werden.

Die Antriebswelle sorgt dabei dafür, dass die Fische sich scheinbar unabhängig voneinander im Raum über der Wasserfläche auf und ab bewegen.

Die offensichtliche Trivialität des Funktionsmechanismus´ des Schwarm-Antriebs wird durch eine möglichst weitgehende Transparenz der Konstruktion angestrebt.

Die verwendeten Materialien für den Antrieb – vor allem schwarzer Stahl, Gusseisen und patiniertes Holz – wecken Erinnerungen an die Ma¬schinen der vorletzten Jahrhundertwende.

Die Verwendung von Tonerde und roten Pigmenten für die Körper der Fische – und zusätzlich die Wasserfläche – sollen Verweise auf elementare Komponenten unserer Welt erleichtern.

Der Antriebsmechanismus ist so abgestimmt, dass die Fische immer über der Wasserfläche schweben. Bewegungszentrum der Fische ist in etwa Augenhöhe.
Die Beleuchtung unterstützt die Reflexionseigenschaften der Wasserfläche.

Dadurch erscheinen die Fische ein weiteres Mal in der „Tiefe“. Außerdem erzeugt das an der Oberfläche reflektierende Licht zusätzliche Fischschatten an den Wänden.

Von Relevanz für Ortmann und Lakaszus ist zusätzlich das Konzept, dass auch der Antriebsmechanismus von der Wasserfläche umschlossen ist.

Rezipienten, die den Mechanismus antreiben möchten, gehen ein gewisses persönliches Risiko ein (bei einem Fehltritt feuchte Füße zu bekommen). Die Dynamik der Fische wird durch ein Arbeitsopfer der Rezipienten „erkauft“.

Der Betrieb des Mechanismus’ erzeugt eigentümliche, die Phantasie anregende Klänge.

Als direkte Formvorlage der Fische dienen echte Fische.
 

Element B:  Korrespondenten

Um den temporären Verschwindens-Rhythmus und die stationäre Begrenztheit der Installation überwinden zu können, soll der Inspirator – die Kurbelfisch-Installation – virtualisiert werden.

Gebrauch soll dabei nicht von der Virtualität des Internets, sondern von der haptisch erfassba-ren Welt gemacht werden.

Dazu werden Korrespondenten hergestellt – in Form einer Serie von Objekten, die zunächst Teil der Installation sind, dann aber zunehmend über eine Art Diffusionsprozess in die Welt hinaus getragen werden – z.B. durch Verkauf an Kunstinteressierte.

Gedacht ist dabei an Holzkisten mit eingebautem Kurbelantrieb und jeweils einem einzelnen roten Ton-Fisch. Der Prototyp für die Korrespondenten ist bereits erprobt. Die Serie wird auf drei Dutzend Exemplare limitiert.

Zusätzlich zur limitierten Serie werden personalisierte Korrespondenten in Auftragsarbeit angeboten.

Für diese individuellen Korrespondenten muss der jeweilige „Kunde“ den KünstlerInnen ein Opfer bringen:
Einen Haushalts-, Büro- oder Werkstattgegenstand mit einer geeigneten Kurbel, die dann durch die KünstlerInnen ausgebaut und für den künftigen Gastgeber in einen neuen Korrespondenten implantiert wird.

Ziel ist es, die Korrespondenten an ihrem Diffusionsziel – dem Aufstellungsort beim
Gastgeber – möglichst optimal einzubinden.
 

Element C:  Verständniskatalysator

Der Verständniskatalysator ist ein Textobjekt, das die Wahrnehmung beider KünstlerInnen repräsentiert, ohne jedoch den Rezipienten auf ein Deutungsdogma festzulegen.

Der Verständniskatalysator soll einen möglichst offenen Interpretationsraum bereitstellen, um die Kreativität des Rezipienten bei der Suche nach einer eigenen Interpretation zu unterstützen.

Der Umfang des Verständniskatalysators soll die Länge einer Kurzgeschichte nicht überschreiten.

 

Weiterführende Informationen zum Kurbelfisch: Objekt

 

 

Eine Installation im Rahmen der Gruppenausstellung

 

Ein Projekt von

Kontext

Kunst in der Tiefgarage, Ennepetal 2004

Beteiligte Kolleg*innen

Monika Ortmann

Gefördert durch

Sparkasse Ennepetal
KunstraumEN e.V.